Die zerbrochenen Igel

igeldachboden

Hier das wirklich feine schriftliche Interview, die Fragen wurden erstmal an Udo (Gesang) gerichtet, da ich ihn zuerst alleine traf, bei einer Gedichtlesung seiner Niemerlang-Gruppe… Nachfragen beantworteten Jochen (Gitarre) und Hans (Bass) von den Igeln… Hier nochmal die ganze Sendung zum Anhören:

1. Sind die zerbrochenen Igel eigentlich ein hallesches phänomen oder ein leipziger oder gar etwa Pendler? Aus was für einem Umfeld und wann ist die Band entstanden? Gab es Vorläuferbands, in denen einzelne Bandmitglieder zuvor tätig waren? (Jochen-Ernst-Combo?)
Die Zerbrochenen Igel – Die Saale fällt (Aussen hässlich innen schön Tape)

Die Igel sind in Leipzig entstanden. 1987 hat Hans, der Bassist, geheiratet, und auf dem Dachboden seines maroden Wohnhauses spielte in einem Latten-Verschlag eine Band, die wir später aus Quatsch „Jochen-Ernst-Combo“ genannt haben. Da saß noch Christian am Schlagzeug, der im August 1989 in den Westen geflüchtet ist, und Hans hatte einen selbst gebauten Bass, der aus einem auf einem Brett befestigten Oberteil eines Kontrabasses mit Klangabnehmer bestand. Die Musik erinnerte mich an die „anderen Bands“. Also Fehlfarben oder Palais Schaumburg im Westen, Hard Pop oder Feeling B im Osten. Jochen hat Gitarre gespielt, er war der beste Musiker im Team. Früher soll noch ein gewisser Öken mitgespielt haben, von dem auch ein paar Akkordkombinationen stammten, ich selbst habe ihn nie kennengelernt. Einige Zeit nach diesem Event sagte ich Hans, dass mir die Musik gefallen hat, dass nur noch ein Sänger fehlt, und Hans fragte mich, ob ich nicht den Mut hätte, mich ans Mikrophon zu stellen. Meinen Einwand, dass ich nicht singen könne, konterte Hans mit der Bemerkung, das sei nicht nötig, ich müsste halt nur den Mut haben, ein paar Texte ins Mikro zu brüllen. Hans wusste – wir hatten zusammen Abitur gemacht – dass ich Gedichte schreibe. Ein Freund bastelte mir dann aus einem Plattenspieler einen Verstärker. Und so begannen wir, es könnte im Februar 1989 gewesen sein, mit den Proben im Keller der Peterskirche in Leipzig.
Die Zerbrochenen Igel – Das schöne Lied (Aussen hässlich innen schön, Tape)

1b. Jochen, Kannst du die Vorgeschichte eures, von Udo (aus zuschauerperspektive) schon kurz erwähnten ersten konzerts nochmal aus deiner Sicht erläutern?
Die wirkliche Vorgeschichte kenne ich nicht mehr, jedenfalls war es der “1. Auftritt” (ich dächte 1988, nicht 1987). Im Trio ohne Gesang. Wahrscheinlich war es für die Zuhörer eine Zumutung. Wir standen in einem Verschlag auf dem Dachboden (wie es sie damals so gab), und haben vielleicht 5 Titel gespielt. Ich erinnere mich noch an Foxy Lady von Hendrix, auch eigene Titel. Wir waren aufgeregt, der Drummer (damals noch Christian) schlug mich völlig unmotiviert mit seinem Stock ans Bein, es tat sehr weh. Warum er das machte, weiß ich nicht. Auf dem Foto siehst man (zwar schlecht) den selbst gebauten Bass von Hans. Einfach ein Hals von einem Kontrabass. Egal wo er griff, es passte immer, weil es war einfach Mulm.
Hm, vielleicht frag ich da nochmal Hans, der ja irgendwie auch bei seiner Hochzeit anwesend gewesen sein muss. Also…
Hans:

Unsere Hochzeit war 1988. Die Band spielte am 23.09. beim Polterabend.
Die Band erwuchs im Umfeld der Jungen Gemeinde der Peterskirche Leipzig – ab Winter 1988, glaube ich.
Einer der dazugehörte, war Jens Sonntag, der im Theologiestudium einige Jahre über mir war. In der Wohnung von Jens trafen sich manchmal bis zu 10 Leute und griffen sich irgendwelche Musikinstrumente, die da rum lagen – ob es einer wirklich spielen konnte war völlig egal – und wir machten mit viel Spaß herrliche Musik, wir gerieten fast in Trance.
Jens hatte Jochen zum Freund, der gehörte nicht zur JG. Jens und Jochen zusammen mit Christian Rieder hatten sich zuerst verabredet. Irgendwie kam ich dazu und durfte mitmachen. Ich baute mir den Bass aus einem Kontrabass-Hals und los gings. Ich war natürlich grottenschlecht am Bass, wurde aber geduldet.
Unsere Besetzung: Gitarre, Bass, Schlagzeug und Percussion. Wir spielten Riders on the storm (The Dors) und take five (Dave Brubeck) und improvisierten drauf los. Ein Song ging so etwa 10 Minuten. Ziemlich strukturlos war das alles. Für Zuhörer sicher eine Zumutung.
Trotzdem wollte ich mit der Band meinen Polterabend bereichern… War auch irgendwie toll und vor allem hatten wir seit dem Udo dabei.
Jens stieg dann bald aus, weil wir jetzt konsequenter probten – mit dem Ziel auch mal richtige Songs hinzukriegen und damit aufzutreten. Ein Jahr später war Christian im Westen und wir fanden über eine Freundin von Jochen zu Micha Rammelt, der Schlagzeuger in einem anderen Bandprojekt war. Bei war dann der neue Proberaum im Seitenflügel eines Abrisshauses.
Die Zerbrochenen Igel – Jacke (Wanderschuhe aus Gipsbeton, Tape)

1c. Kannst du dich an den Proberaum in der Peterskirche erinnern? Gabs da noch andere Bands mit denen ihr befreundet wart?
Die Zerbrochenen Igel – Schweine (Aussen hässlich innen schön Tape)

Der Raum in der Peterskirche war ein Glückstreffer, welche Band hatte schon einen eigenen großen Probenraum, kostenlos (oder eine Mini-Spende)? Der Nachteil war, dass man zusehen konnte, wie die Saiten während der Probe rosteten, es war extrem nass da unten. Was ging, haben wir dann oben in einem Spind eingeschlossen. Auf dem Foto siehst man noch die allererste Besetzung, hinten Hans und mich, vorn Jens (ist dann ausgestiegen) und Christian (drummer), der (wie Udo schon erzählte), 1989 “nach dem Westen ging”. Der Kontakt zu dem Raum kam glaube ich von Jens. Da unten haben wir auch Silvester gefeiert, haben dann eine Art Lüftung angebracht (völlig nutzlos) sowie einen Ölradiator oder so was in der Art. Denn kalt war es auch. Andere Bands kannten wir, hatten aber wenig Kontakt. Die schossen wie Pilze aus dem Boden damals, war schon ein bischen Konkurrenz. probekirche
Nochmal schnell mit den Erinnerungen von Hans abgleichen…
Hans:

Wir hatten schon zuvor im Juni 1989 einen ersten Auftritt im Proberaum unter der Peterskirche. Wir hatten Freunde und Bekannt eingeladen – vielelicht so 15 Leute.
Unser erster „richtiger“ Auftritt in einem öffentlichen Club war der von Udo erwähnte Aufrtitt im Wecker in Merseburg – Herbst 1989. Wir waren mit Jochens völlig überladenem Trabant-Kombi unterwegs. Udo sang: Mamor Stein und Eisen bricht… Alles, alles geht vorbei, nur nicht die Partei…
Die Zerbrochenen Igel – Voices (Aussen hässlich innen schön Tape)

2. Wurde das erste Tape “Aussen hässlich innen schön” eher so im Bekanntenkreis weitergegeben oder habt ihr damals (Anfang 1990) schon viele Konzerte gespielt?
Unser erstes Konzert haben wir Anfang Dezember 1989 in Merseburg im Studentenklub „Wecker“ gespielt. 1990 folgten zahlreiche weitere, damals waren die Veranstalter sehr offen für sowas.
Die Zerbrochenen Igel – Worm in my brain

3. Aus deinen Buchveröffentlichungen übers Schwarzwohnen kann man (wenn man so will) eine gewisse Sympathie für ungewöhnliche Daseinsformen herauslesen. Haben die Igel auch viele Konzerte in obskuren Auftrittsorten gespielt? Erzähl mal…
Wir haben in mehreren besetzten Häusern gespielt, in der Kellnerstraße und im GIG in Halle, in der Lichtwirtschaft Bild_1994smallin Leipzig, und in einem Keller in Weimar, wo mitten im Konzert die Sicherung rausflog und es kurz mal stockdunkel war. Wir haben mal in einer Garage gespielt, die Zuhörer standen draußen auf der Straße.

Die Zerbrochenen Igel – Bedrohlich (Titanic, Tape)

Dann waren wir auch mal auf einem Berg im Thüringer Wald bei einem Bluesfestival, nach uns spielte „Engerling“ mit einem sturzbetrunkenen Wolfram Bodag, und dann hat man uns auch mal als Vorband von „City“ engagiert, das war im Anker in Leipzig.
3b. Jochen, welches sind die Lieblingsigelkonzerte in deiner Erinnerung?
Jedes von den öffentlichen Konzerten, die ich mittlerweile nicht vergessen habe, hatte seinen Charme. Das erste fand 1989 in Halle vor 2 oder 3 Zuhörern statt, wie verspielten uns laufend und irgendwann rief einer von unten “SPIEL F, SPIEL F!”. In Markkleeberg im Rathaussaal (1994 etwa) spielten mehrere Bands nacheinander, irgendwie passten wir absolut nicht da rein, beim Rausgehen wollte man uns “DIE JACKE ANZÜNDEN”. Unangenehm. Aber die Konzerte in der mb in Leipzig waren alle sehr schön, und ab 1993/94 waren wir ja auch ganz gut musikalisch. Höhepunkt vielleicht als Vorband von City im Anker 1994, zu Toni Krahl möchte ich nichts sagen, aber Fritz Puppel von City ist ein musikalischer Kumpel, er hat mir seine Super-Technik angeboten, allerdings kannte ich nur verzerrt oder clean und war meinen einen Fußschalter gewohnt, typischer Schuss übers Ziel hinaus. Einmal haben wir mit Jens Paul Wollenberg was gemacht, der ist ja auch gut drauf, ich denke, er war auch etwas beeindruckt von uns. Besonders schön war die Zeit mit Axel, dem Trompeter. Der kam so 1995 dazu, das war dann die ultimative Besetzung, und gut konnte er auch noch spielen. Das kam dann fast schon a priori bei den Leuten an.
4. Udo, wie sind deine doch recht surrealen Liedtexte entstanden? Also eher so aus einem eigenen lyrischen Mikrokosmos oder Inspiration durch spezifisch Hallesche Punkideen (Müllstation hatten ja teilweise auch recht obskure Textideen oder Baader Holst) oder lyrische Inspiration aus der grossen weiten Welt (ich mochte zum Beispiel damals immer Daniil Charms und Max Goldt).
Mit 17 habe ich die Menschheitsdämmerung der Expressionisten gelesen, Georg Trakl und Jakob von Hoddis zum Beispiel. Auch Max Goldt und Baader Holst haben mich beeinflusst.
5. Wie sind die Igel dann auf Trash Tape Records gelandet? Seid ihr auch überregional getourt, als die Tapes rauskamen? (Ich meine damit noch entlegenere Orte als Leipzig-Stötteritz)
Wir sind immerhin bis Hamburg gekommen, dort haben wir im LOGO gespielt. Und in Dresden waren wir im STAR CLUB. Aber meistens sind wir nur in Halle oder Leipzig aufgetreten.
Alge Roloff von Trash Tape Records habe ich nie kennengelernt. Ich glaube, ich habe ihm einfach ein Tape geschickt, und er hat es herausgebracht. Das haben wir dann mit dem zweiten genauso gemacht.
6. Ein Lied vom Titanic-Tape (Plakate) klingt ein bisschen nach Pixies, was waren so eure musikalischen Inspirationen oder Bezugsquellen (Parocktikum?).
Ja, die Pixies, Sonic Youth und natürlich das Parocktikum waren wichtige Anregungen. Wir waren ja alle musikalisch nicht unbedingt hochbegabt, ich am wenigsten, und so haben wir dann auch mal versucht, Titel zu covern, was aber aufgrund unserer Unfähigkeit dann meistens doch eher nach den (zer)brochenen Igeln klang.
Es kam dann übrigens mit Axel Winkler ein ehemaliger Thomaner zu uns, der aber nur Trompete gespielt hat.
6b) Jochen, was waren deine damaligen musikalischen Vorlieben oder Einflüsse?
Ich selbst mochte eher Beatles, Dorrs, Hendrix und Neil Young, von Udo kamen oft neue Inspirationen wie Pixies und so, haben wir dann mal nachgespielt. Wir haben eigentlich wenig nachgespielt, mal LOVE HER MEDLEY (Doors) oder eben Pixies. Vieles haben wir “nachempfunden”, weil wir es natürlich nicht original hinbekommen haben. Aber das Allermeiste sind eigene Kreationen.
Bleiben noch die Hörgewohnheiten des Bassisten Hans zu erläutern:
Anfangs ging es gar nicht so punkig zu, wie später. The Doors, Rory Gallagher gehörten damals zu meinen Favoriten. Ich habe gern Dt 64 gehört, besonders Parocktikum; habe auch viel mitgeschnitten: Seit ich nun öfter Udo traf, hatte ich bald die meisten CDs von den Pixies und Sonic Youth zusammen.
7. Welches Geschehnis lieferte denn die Inspiration für das Lied “die Ratte” oder ist es etwa rein fiktiv (oder willst du es lieber nicht verraten?)
Ich habe damals Biochemie studiert und tagelang, und oft auch Wochenenden, im Labor verbracht. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich irgendwann einmal beim Einbruch der Dunkelheit auf mein Fahrrad stieg und nach Hause rollte, da lief am Straßenrand eine Ratte und blickte mich an. In diesem Moment dachte ich, dass ich ja selbst eine Ratte bin. So ist das Lied entstanden.
8. Ich wüsste gerne wie du auf den Text zu “Heavy Metal” gekommen bist… Falls du noch weitere Textanalytischen Erläuterungen parat hast… go ahead!
Heavy Metal ist eine Mischung aus einer Erzählung meines Bruders, der mal in irgendeiner Gaststätte war, in der das Besteck so schwer war, dass er es kaum anheben konnte (und er ist Arbeiter!), und den Eindrücken des zur selben Zeit begonnenen ersten Irakkrieges, im Jahr 1991 war das. Außerdem war es die Zeit der Deindustrialisierung in der ex-DDR, wo die großen Stahlwerke, die Symbole für den sozialistischen Aufbau gewesen waren, entschwanden.
9. Wie war das Lebensgefühl in dem ja damals doch stellenweise recht tristen, aber auch mit Freiräumen gesegnetem Ballungsraum Halle-Leipzig, das sich in den Liedern ausdrückt…?
Insgesamt war die Zeit für mich sehr ambivalent. Zum einen eine unglaubliche Befreiung, Übermut, Euphorie. Zum anderen aber auch eine Haltlosigkeit, die mir Angst gemacht hat.
In den letzten zwei Jahren der DDR war mir immer mehr klar geworden, dass es so nicht weiter gehen kann, und zugleich war ich sehr pessimistisch, dass sich etwas ändern würde. Trotzdem habe ich eine Öko-Gruppe mitgegründet.
Dann brach plötzlich das ganze System zusammen, ohne dass man viel tun musste. Das war erlebter Wahnsinn.
Mein Lebensgefühl würde ich als „irrwitzige Verzweiflung“ bezeichnen. Die Welt erschien mir absurd. Ich bin damals mit einem Sticker herumgelaufen: „Du hast keine Chance, nutze sie“. Das habe ich durchaus als positive Botschaft verstanden.
Ich dachte eine zeitlang, jetzt müssten all die unterdrückten Seelen aufwachen und endlich ihre Bestimmung finden, ihre Grenzen austesten und überschreiten, so wie ich. Da war nicht nur die Band; ich habe mit Kommilitonen eine leer stehende Dachwohnung ausgebaut, und vor allem habe ich ein Jahr mit dem Studium ausgesetzt und den Studentenrat in Halle aufgebaut. Ich habe damals an die wundersame Kraft der puren Basisdemokratie geglaubt, die ich ja eine zeitlang auch erlebt habe.
Um so desillusionierender war, dass die Mehrheit der Mitmenschen eigentlich gar nichts ändern wollte, also am liebsten das bisherige Leben weiterführen, nur eben verschönert durch westliches Shopping und Reisen.
Zeitweise habe ich eine Stoffbanane als Sticker getragen. Bei unseren Auftritten hing of ein gelbes Poster hinter uns. Darauf war das Tchibo-Logo, durch dessen Tragen sich die Bewohner der späten DDR freiwillig erniedrigt haben, in meinen Augen. Aus dem Slogan „Oh diese frischen Bohnen“ haben wir „Oh die zerbrochenen Igel“ gemacht.
Dann hing da noch eine DDR-Fahne, wo wir auf das Emblem das Porträtfoto eines stadtbekannten Leipziger Säufers geklebt hatten. Die DAZ, die „andere Zeitung“, hatte damals eine Serie mit schrägen Leipziger Typen, da stammte das her.
9b) Frage an Jochen: Irgendwie schwingt in den Igeln für mich noch sowas Utopisches dieser Wendezeit mit, wie hast du die Zeit um 89-92 erlebt? Ist das Utopische an der Wirklichkeit abgestumpft?
Ehrlich gesagt, darüber habe ich damals nie so nachgedacht. Ich habe im Frühjahr 1989 ein Semester in Leningrad studiert, zwischenzeitlich kam Udo dazu. Als ich wiederkam, hatte ich “private Filme” laufen, und wir waren sehr froh, dass wir (vor und nach Nov 89) ungestört musizieren konnten. Udo war das Sprachrohr, er hat die sog. politischen Botschaften, mit denen ich mich eigentlich total identifiziert konnte, formuliert und lyrisch verpackt. Das gab’s damals auf dem hohen Niveau nicht in der Szene. Das war Kritik an den alten und neuen Zuständen, aber manchmal ging es mir wie Ringo Starr, der auch nicht richtig wusste, was LENNON nun wirklich meinte.
Hans, wie siehst du den utopischen Gehalt der Igel?
Wir waren keine politische Band, die einen Weltverbesserungsplan unter die Leute bringen wollte. Eher haben wir ganz verschieden Gefühle widergespiegelt. Und das war sicher kritisch der Konsumgesellschaft gegenüber usw. Aber auch kritisch denen gegenüber, die zu wissen vorgaben, wie die neue so oder ganz anders aussehen müsste.
Und immer wollten wir auch ein Stück Selbstironie ausdrücken. So haben wir die traditionelle Punk-Ästhetik nicht geteilt: Udo sang z.B.: Punk ist tot und Schrank ist in! Und unsere alten DDR-Klamotten passten überhaupt zu nichts, was es sonst gab.
10. Die Bänd scheint ja irgendwann nach 1995 auseinandergedriftet zu sein. Ihr habt aber noch Konzerte gespielt. Werden die Igel nochmal live spielen?
Das letzte öffentliche Konzert war 1997. Es gibt manchmal Momente, da habe ich eine Idee für einen Song. Aber die Igel wird es so nie mehr geben, denn Micha, unser Schlagzeuger, hat sich das Leben genommen. Wir anderen sind verstreut in alle Winde. Hans spielt in der Pfarrer-Band „Die schwarzen Löcher“, Jochen Ernst spielt auch noch Musik in einer Band in Wachau. Axel Winkler ist Arzt in Schottland und ich bin derzeit Lecturer in England. Zwischenzeitlich hatten wir auch noch einen Akkordeonspieler, der hieß Jens; ich habe keine Ahnung, wo der abgeblieben ist.
11. Wo würdest du hinwollen, wenn ich dir eine Zeitmaschine zur Verfügung stellen würde?
Ehrlich gesagt, würde ich am liebsten jetzt leben. Jetzt in diesem Moment.
Hans, musst du manchmal noch bei Auftritten mit deiner jetzigen Band (den schwarzen Löchern) manchmal an die Igel denken?
Klar muss ich oft an die Igel denken. Aber ich trauere ihnen nicht mehr nach. Das hatte seine Zeit. Zu einem Auftritt mal wieder hätte ich aber schon Lust.

eilikeigel
 
die fertige sendung ist hier versteckt

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